Wie lässt sich Mobilität trotz Krisenzeiten wirtschaftlich und nachhaltig managen? Auf diese Frage soll das Projekt »Eco Fleet Services« Antworten liefern. Die Ergebnisse der ersten Pilotphase geben Aufschlüsse über das Mobilitätsverhalten und die Potenziale in der betrieblichen Mobilität.

Die betriebliche Mobilität nachhaltig zu gestalten ist ein wichtiges Element der Zukunftsfähigkeit von Betrieben und Kommunen, mit dem sie eine Vorbildfunktion einnehmen können. Gemeinsam mit Partnern setzt das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO mit dem Projekt »Eco Fleet Services« hier an, um ein intelligentes Management betrieblicher Mobilität zu ermöglichen. Ein wesentliches Projektziel stellt die Entwicklung und Erprobung einer Mobilitätsplattform dar, die den wirtschaftlichen Einsatz von Elektrofahrzeugen sowie die bequeme Buchung nachhaltiger Reisemittel ermöglicht. Ergänzend entsteht ein Reifegradmodell, anhand dessen Betriebe und Kommunen ihr Mobilitätsmanagement bewerten, Potenziale finden und Maßnahmen planen können.

Guter Überblick über verfügbare Fahrzeuge

Die erste Phase der Erprobung mit der Stadt Heidelberg startete mit 50 Mitarbeitenden, die mittels der Plattform auf Fahrzeuge der Stadtverwaltung zugreifen können – darunter Pedelecs, herkömmliche Fahrräder sowie ein Wasserstoffauto. Der Zugang zu den Fahrzeugen wird über eine automatische Schlüsselausgabe hergestellt, welche mit der digitalen Plattform verbunden ist. Für die Nutzer sorgt dies für Zuverlässigkeit: »Durch Eco Fleet Services haben wir einen guten Überblick über alle verfügbaren Fahrzeuge«, beschreibt Eric Sprißler, der als Anwender für die Stadt Heidelberg an der Testphase teilnimmt, die positiven Effekte der digitalen Plattform. »Wenn ich ein Fahrzeug reserviert habe, kann ich mir endlich sicher sein, dass der Schlüssel zur gewünschten Zeit auch verfügbar ist.«

Besondere Effekte im Mobilitätsverhalten

Als die Projektbeteiligten von Eco Fleet Services Anfang Januar 2020 die Erprobungsphase mit der Stadt Heidelberg einläuteten, ahnten sie noch nichts von einer Pandemie und deren Auswirkungen. »Die Entwicklung rund um Corona ist uns gewissermaßen dazwischengekommen«, erklärt Projektleiter Stefan Schick vom Anwendungszentrum KEIM des Fraunhofer IAO. »Natürlich kam es insbesondere in der Zeit des Lockdowns zu besonderen Effekten – hier sehen wir deutlich weniger Fahrzeug-Buchungen als üblich.« Andererseits machten die Entwicklungen um Corona umso deutlicher, wie wichtig ein ganzheitliches behördliches Mobilitätskonzept in der Stadtentwicklung ist. Dort wo eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr gewünscht ist, lässt sich nun schnell und einfach auf Fahrrad oder Wasserstoffauto wechseln.

Interne und externe Mobilitätsressourcen schaffen Flexibilität

Eine Herausforderung, die die Projektbeteiligten in der im Juli beginnenden zweiten Pilotphase angehen, bildet das Zusammenführen verschiedenster Mobilitätsdienste zu weitestgehend einheitlichen und intuitiven Buchungsvorgängen. »Die Freiheit, sich für verschiedene Mobilitätsdienste entscheiden zu können, bringt nicht nur Flexibilität, sondern kann gleichzeitig finanzielle Einsparungen und verminderte Schadstoffemissionen bedeuten«, so Stefan Schick. Um das größtmögliche Potenzial auszuschöpfen, erfolgt die Veröffentlichung des Quellcodes auf der Entwicklungsplattform GitHub, was einerseits Transparenz über die verwendeten Technologien schaffen und andererseits weitere Kommunen, Unternehmen sowie Entwickler zur Mitarbeit anregen soll. In der zweiten Phase steht die Einbindung externer Mobilitätsanbieter im Vordergrund. Damit werden wichtige Weichen für eine multimodale betriebliche Mobilität gestellt.